Schülerakademie 2007 in Steinmühle

Ich werde meinen Bericht mit einem Auszug aus den Zielvorstellungen einer solchen Schülerakademie der DSA einleiten.

„(…) Ein zentrales Anliegen der Akademien ist dabei, durch die Begegnung mit unterschiedlichen Wissenschaftsbereichen die Perspektiven für die eigene Entwicklung zu bereichern, das interdisziplinäre Denken und Arbeiten anzuregen und den Horizont der bisherigen Lebens- und Erfahrungswelt zu erweitern.

Die Schülerinnen und Schüler leben während der Akademie in einer Gemeinschaft von ähnlich interessierten und motivierten Jugendlichen und Kursleitern. Das Erlebnis dieser Gemeinschaft, die gekennzeichnet ist von einem ungemein anregenden, offenen und toleranten Klima, ist für viele Teilnehmende rückblickend die wichtigste und wertvollste Erfahrung. (…)“    (http://www.deutsche-schuelerakademie.de/index.php?page=2 ; 27.08.07, 23:50)

Diesen Ausführungen kann ich mich ohne Wenn und Aber anschließen. Sie bringen das Erlebte auf den sprichwörtlichen Punkt. Ich hätte es zuvor nicht für möglich gehalten, eine solche Akzeptanz des Einzelnen und diese Herzlichkeit von allen Seiten zu erfahren. Die Ankündigungen im Programmheft klangen schlichtweg utopisch. Doch letzten Endes sollten meine Träume und meine Vorstellungen - die Akademie betreffend - noch überboten werden. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle bei meinen Förderern, finanzieller und geistiger Art, bedanken, dass ich an der diesjährigen Schülerakademie in Steinmühle teilnehmen durfte. Ich betrachte es als Ehre meine Schule würdig vertreten zu haben. Die Menschen, die ich kennen gelernt habe, sind sowohl intelligent, einfühlsam als auch liebenswert. Die Kurs- und Akademieleiter stellten zusammen mit uns Schülern während dieser Zeit eine große Familie dar, in der jeder nur allzu gern bereit war, zu helfen, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten.

Mein Seminar trug den Titel „Der Humanitätsgedanke der Aufklärung- was geht uns das an?“. Doch dieser Kurs war nicht etwa staubtrocken, wir erlebten Lessing und Riesser fast hautnah. Später debattierten wir auch über die Religionskonflikte. Anfangs beschäftigten wir uns mit der hermeneutischen Textanalyse. Dafür bleibt im normalen Unterricht fast nie Zeit. So nutzten wir sie dort umso mehr. Es ist erstaunlich, wie viele Bedeutungen allein ein Bindestrich haben kann. Dazu analysierten wir „Ernst und Falk“ von Gotthold Ephraim Lessing. Dieser dialogische Text befasst sich mit der Freimaurerei. Er gab uns genügend Diskussionsstoff, um tagelang darüber philosophieren zu können. Während dieser siebzehn Tage hat unser Kurs ein Hörspiel produziert, welches Ernsts und Falks Dialoge in Ausschnitten wiedergibt. Über das dort Erlebte ließe sich ein ganzes Buch schreiben, deshalb werde ich nur einige Dinge schildern, die ich als wichtig erachte.

Hierzu zählen vor allem die kursübergreifenden Angebote – KüAs – die durch uns Teilnehmer ins Leben gerufen und gestaltet wurden. Jedem war es möglich, sich in irgendeiner Weise in die Gestaltung des Programms in Steinmühle mit einzubringen. Sportarten, wie Badminton, Fußball und vor allem Volleyball zu später Stunde waren heiß begehrt. Sprachen, u. a. Hebräisch, Griechisch und Latein wurden angeboten. Auch die musisch-künstlerische Seite kam nicht zu kurz. Fast täglich trafen wir uns zum „Kreativen Schreiben“, um dann gegen Ende der Akademie einen Poetry Slam zu veranstalten, der nicht nur den Teilnehmern ungeheuren Spaß machte. Meine Kursleiterin führte uns in die Geheimnisse der Slam Poetry und des Poetry Slams ein. Mir gefiel diese moderne Lyrik so gut, dass ich jetzt selbst als Akteurin aktiv bin und mich auch schon recht ordentlich präsentiert habe. Ich wurde gefordert und gleichzeitig auch gefördert- und so muss es sein. Nachmittags von 14.00 bis 16.00 Uhr trafen wir uns und sangen im vierstimmigen Akademiechor, Kursleiter und Teilnehmer gleichermaßen. Auch hier gaben wir am letzten Donnerstag in Steinmühle ein öffentliches Konzert. Unsere Band ließ ebenfalls keine Wünsche offen. Eine Plattform für sämtliche Darbietungen stellten die wöchentlichen Vortragsabende dar. Durch uns wurden die Abende gestaltet. Vertreten waren schauspielerische Talente, Musiker, Literaten und Komiker. Der bunte Mix sorgte für viel Abwechslung, nicht nur an diesen Abenden. Das Gemeinschaftsgefühl wurde durch ein Volleyballturnier noch verstärkt. Jeder Kurs bildete ein Team, zu unserer Überraschung traten auch die Kursleiter an und belegten am Ende einen beachtlichen zweiten Platz. Mein Kurs schied zwar schon im Viertelfinale aus, doch nur weil bei uns wirklich jeder einmal auf das Feld durfte, unabhängig davon, ob er gut spielen konnte oder nicht. Aber so war unser Kurs- human durch und durch. Die Rechtsverdreher (der Jurakurs) gewann schließlich verdient, wenn auch nur knapp. Das Wetter hätte unterschiedlicher nicht sein können, regnete es an einigen Tagen so stark, dass der Hof unter Wasser stand, konnten wir an anderen Tagen auf der Lahn paddeln und die Sonne genießen. Trotzdem war die Stimmung meist gut, auch wenn gegen Ende der Akademie die Nächte kürzer und die Augenringe immer tiefer wurden. In der letzten Woche verbrachten wir unsere kostbare Zeit an den Laptops der Schule, um die Dokumentation rechtzeitig fertig zu stellen. Jeder Kurs ließ die Zeit in Steinmühle Revue passieren, trug alle gesammelten Erkenntnisse zusammen und vertexte sie letztendlich. Am Ende wird dann ein dickes Buch entstehen, das vor Wissen nur so strotz und an dem wirklich jeder mitgearbeitet hat.

Mir hat besonders das allmorgendliche Plenum, glücklicherweise erst nach dem Frühstück, sehr gefallen. Der Gewinner des täglichen Akademierätsels wurde, ebenso wie der gesamte Ablauf des Tages, bekannt gegeben. Probleme wurden besprochen und gemeinsam gelöst. Lob und Tadel gab es gleichermaßen. Wo ich gerade vom Frühstück sprach- das Essen hat wirklich sehr gut geschmeckt. Das ist wichtig, wenn man zwanzig Stunden am Tag ohne Unterbrechung denkt. Jeden Abend gab es frischen Salat - unsere tägliche Vitaminration, die durch ausreichend Schokolade ergänzt wurde. Dieser war so begehrt, dass unser Kurs am Abend eine Viertelstunde vor allen anderen Seminaren endete. Wir waren fast immer die Ersten am Salatbüfett, unseren Kursleitern sei Dank. Vom Fleisch fiel demnach niemand. Der Kaffee ging weg, wie warme Semmeln, die wirklich immer sehr schnell vergriffen waren. Mit vollem Bauch und reichlich Koffein und Zucker im Körper gingen wir von 9.30 bis 12.15 in unsere Seminare. Die Zeit, die wir am Abend früher aufhörten, machten wir am Mittag länger. Sodass wir uns regelmäßig hinter achtzig andere knurrende Mägen anstellen mussten. Die Mittagspause war sowieso grundsätzlich zu kurz. Weder richtig frisch noch munter, zogen wir in die Nachmittagsseminare. Nach dem Abendessen erwachten schlagartig sämtliche Lebensgeister. Den Basketbällen und Fußbällen blieb keine ruhige Minute mehr, bis pünktlich um 1.00 Uhr das Licht der Turnhalle ausging. Die Turnhalle war dann dunkel, doch die Zimmerfenster dafür umso heller.

Wirklich Zeit zum Ausruhen blieb somit keine, deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass die restlichen Ferien nach der Akademie hauptsächlich durch Schlafen ausgefüllt wurden. Geträumt, hat sicherlich jeder das Gleiche: Mit dem Marmeladenbrötchen im Mund zum Plenum hastend, weil man wieder einmal den Wecker (vielleicht mit Absicht) nicht gehört hatte. Noch kauend sucht man sich einen Platz auf den bunten Stühlen, um dann eifrig zuhörend das Tagesprogramm zu bestaunen. Die Menge zerstreut sich nach der bekannten Melodie, die das Ende des Plenums ankündigt. Doch nur, um sich zum Mittagessen glücklich und zufrieden wieder zutreffen und über das Erlebte gemeinsam zu sprechen und zu lachen.

Das war die Deutsche SchülerAkademie. Das ist der DSA-Zauber, der uns bannte, bewegte und prägte.

Ich kann mich nur noch einmal bedanken, dass ich dort sein durfte. Die Erfahrungen, die ich gesammelt habe und die neu gewonnenen Freunde, möchte ich keinesfalls missen.

Christina Jakob