Deutschen Schülerakademie in Hilden

Ich bin nun schon einige Wochen von der Deutschen Schülerakademie in Hilden zurück und es ist an der Zeit ein Wort des Dankes auf die Reise zu schicken.

Zweieinhalb Wochen lebte und lernte ich in der Akademie. Und ich muss sagen, es waren wirklich 17 tolle Tage, die ich dort miterleben und sogar selbst mitgestalten durfte. Tage, die ich sicherlich nicht so schnell wieder vergessen werde. Vertrauen, Freundlichkeit, Gleichberechtigung, Zusammengehörigkeit und Streben nach Wissen- all dies war Kennzeichen dieser Akademie. Das gemeinsame Lernen unter Gleichgesinnten machte mir Spaß, da optimale Bedingungen dafür bestanden. Sowohl das morgendliche Plenum, die Diskussionen als auch die gemeinsam verbrachten Abende ließen uns schnell zu einer Gemeinschaft, die sich gegenseitig respektiert und akzeptiert, werden. Es ist unglaublich, in welch kurzer Zeit man Kontakte mit Menschen knüpfen kann, die man noch nie zuvor gesehen hat. Dies hätte ich vor der Akademie für unmöglich gehalten. Auch hielt ich so manche Aussage aus dem Programmheft, welches uns vor der Akademie zugeschickt worden war, als übertrieben optimistisch und utopisch dargestellt. Doch da wurde ich eines besseren belehrt. Denn genauso wie eine ehemalige Teilnehmerin darin ihre Empfindungen beschreibt, erging es mir auch. Anfangs etwas Angst vor dem Niveau, vor den Leuten, doch dann einfach experimentiert und ausprobiert und schließlich über die eigenen Grenzen gegangen- ohne Eltern und Freunde. Man war ganz auf sich allein gestellt, doch im Nachhinein muss ich zugestehen, dass genau das das Richtige war. Es hat mein Selbstbewusstsein gestärkt und den Lernwillen neu entfacht. Ich kann nur noch mal sagen, dass es eine tolle Erfahrung war, die mir letztlich auch durch Ihre finanzielle Unterstützung erst ermöglicht wurde. Dafür möchte ich mich hiermit noch einmal recht herzlich bei Ihnen und allen Mitgliedern des Vereins bedanken.

In meinem Kurs „Poetry Slam“ ging es darum, eigene Texte zu verfassen und diese dann vor einem, wenn auch kleineren Publikum als Form eines Dichterwettstreites vorzutragen. Damit Sie einen kleinen Einblick in die dortige Kursarbeit erhalten, möchte ich Ihnen anbei noch eine Kostprobe meiner entstandenen Texte geben.

Susanne Hansen

 

Im Goldenen Käfig

 

Mit 16 Jahren- halb Frau, halb Kind,

die Sorgen daheim ständig am Wachsen sind.

Erst neulich sprach ich meine Mutter an,

wie es wäre- ob ich nicht ausziehen kann!

Ich hätte jetzt genug von hier-

müsste ein eigenes Leben erbauen mir.

Jedoch war sie von der Idee nicht sehr begeistert,

sagte mir: „Erst wird deine Diplomarbeit gemeistert!“

Doch so schnell wollte ich nicht aufgeben,

begann mich langsam zu erheben…

Eindringlich flehte ich sie an,

ob ich nicht einfach gehen kann!

Da fluchte sie: „Du gehst mir auf den Wecker!“

Ich dachte: Immer dieses Rumgemecker!

Ich kann doch nicht auf Uhren laufen-

die soll sich mal zusammenraufen!

Ameisen oder Insekten können auf Weckern geh´n-

ja, das hab ich schon geseh´n!

Aber Menschen- aus Fleisch und Blut wie ich-

die können das ganz einfach nich´!

Die Uhren würden stehen bleiben

sich als Elektroschrott die Zeit vertreiben!

„Was also willst du mir damit sagen?“

begann ich meine Mutter keck zu fragen!

Sie sagte nur: „Sei nicht so naiv

und schreibe lieber Omi den Geburtstagsbrief!“

Ich rebellierte: „Warum sollte ich dies machen?

Ich pack jetzt einfach meine Sachen!“

Da wurde meine Mutter wild-

im Gesicht ganz rot- wie frisch gegrillt!

Sie begann stark mit den Händen zu gestikulieren

und dabei wie ein Pferd lauthals zu wiehern.

Dann…langsam beruhigte sie sich,

frohlockte gar und sprach: „Das tust du nich´!

Wer soll  dir denn die Kleider waschen?

Wer bringt dir etwas mit zum Naschen?

Wer weckt dich früh am Morgen?

Wer befreit dich von finanziellen Sorgen? ...“

So hielt mir Mutter ihre Predigt,

ich fühlte mich bald vollends erledigt.

Sie trieb mich verbal in die Ecke,

ich wurde klein wie eine Schnecke.

Um den Spieß wieder zu dreh´n,

musste ich in die Offensive geh´n.

Beruhigend redete ich auf sie ein,

„Mutter, ich ziehe aus, aber heute muss es noch nicht sein.“

Da lächelte sie und gab mir

einen Kuss auf die Wange – hier.