Bahnfrei!

Plädoyer eines Roßleber Internatsschülers für eine Reaktivierung der Unstrut-Eisenbahn 

Mobilität ist heute eine Grundvoraussetzung, um den Alltag erfolgreich zu meistern. Viele Menschen müssen morgens und nachmittags mit dem Bus oder Zug kurze oder lange Strecken bewältigen. Auch Schüler sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. 2006 stellte der Freistaat Thüringen den Betrieb der Unstrutbahn ein. Damit einher ging die Schließung des Roßleber Bahnhofes. Seitdem sind die Regionalbahnhöfe in Artern und Nebra die nächsten Zuganbindungen. Ein Roßleber Klosterschüler will es nicht einfach so hinnehmen, dass die Schienenstränge der Unstrutbahn ungenutzt in der Landschaft liegen. Seit 2006 kämpft Ferdinand Fischer für eine Inbetriebnahme der Strecke.


Seit 2006 besuche ich die Klosterschule Roßleben. Schon damals habe ich mich sehr für Eisenbahnen interessiert. Deshalb freute ich mich, dass in Roßleben ein Bahnhof war. Leider nahm die Freude schon im Dezember ein Ende, da der Freistaat Thüringen den Verkehr auf der Unstrutbahn abbestellte. Nun sollten ersatzweise Busse verkehren.

Schon in der 6. Klasse startete ich an unserer Schule eine Unterschriftenaktion zum Erhalt der Unstrutbahn. Die gesammelten Unterschriften schickte ich mitsamt eines Briefes an den damaligen Ministerpräsidenten Dieter Althaus. Man mag das jetzt für naiv halten, aber Dieter Althaus antwortete mir tatsächlich und ließ mir mitteilen, dass es zur Verkehrsaufrechterhaltung der Unstrutbahn unabdingbar wäre, dass täglich mindestens 60 Fahrgäste die Strecke nutzen. Die Herausforderung heißt also, ob sich geeignete Maßnahmen entwickeln lassen, ein solches Aufkommen generieren zu können. Mit diesem Thema befasst sich auch der Verein IG Unstrutbahn e.V. seit 2006.

Im Januar 2011 begannen meine Recherchearbeiten. Das zunächst allein begonnene Projekt basierte auf Internetrecherchen. In einem Gespräch mit meiner damaligen Erzieherin im Internat entstand die Idee, auf wissenschaftlichem Niveau zu arbeiten. Als „Jugend-forscht-Team“ und später als Seminarfachgruppe fand ich einen Unterstützer, Martin Brock (Klasse 11) aus Heldrungen.
In Zusammenarbeit mit dem Verein IG Unstrutbahn e.V. wollen wir eine Aktionsreihe unter dem Motto „Bahnfrei“ starten. Dafür war zunächst ein Heimreisetag der Internatsschüler im Oktober 2011 vorgesehen. Mit dem Zug von Roßleben nach Artern, so hatten wir es geplant und mit der Erfurter Bahn GmbH abgesprochen. Leider musste der Streckenbetreiber diese Fahrt kurz zu vor absagen, da die Strecke immer noch nicht befahrbar war.

Der Vereinsvorsitzender Thomas Müller teilte uns daraufhin mit, man werde trotzdem nicht aufgeben und weitere Fahrten anbieten. Im Dezember konnte für weitere Fahrtage ein Fahrplanvorschlag bei Herrn von Witzleben eingereicht werden. Die Idee ist, einen Heimreisetag so zu organisieren, dass die Schüler mit dem Zug fahren können. Neben An- und Heimreisen ist auch ein Wandertage als Pilot geplant. Nach einer Bestätigung durch die Stiftung kann der Verein erneut mit dem Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) in Kontakt treten, um das Projekt zu realisieren. Am 24. Januar 2012 darf ich das Fahrtenprogramm in Magdeburg bei der Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt präsentieren. Vielleicht tauchen dann im Kursbuch der Deutschen Bahn (DB AG) 2012/13 wieder Züge auf, die nach Roßleben fahren.
Frau Grigoleit vom Landratsamt ist uns sehr behilflich und hat uns den Nahverkehrsplan des Landkreises zur Verfügung gestellt. Per E–Mail stehen wir nach einem ersten Gespräch mit ihr und Herrn Bötcher, der für den Schülerverkehr zuständig ist, in Kontakt. So können wir jeder Zeit Fragen stellen und bekommen wichtige Informationen aus erster Hand. An dieser Stelle sei unseren Partnern, die uns kräftig unterstützen, noch einmal gedankt. Wir hoffen, Ende diesen Sommers unsere Arbeit vollenden und im Oktober die Seminarfacharbeit einreichen zu können.

Foto: Christof Rommel